Wie viel SED steckt eigentlich in der CDU?

Mehr, als viele denken – besonders, wenn man nicht nur die Partei meint, sondern das gesamte Machtgefüge des SED-Regimes.

Die Ost-CDU war keine Opposition, sondern Teil der Nationalen Front – staatsnah, systemtreu, williger Erfüllungsgehilfe der SED. Sie betrieb laut Deutschlandfunk sogar eine „Selbstgleichschaltung“, agierte als „verlängerter Arm des Regimes“ und trug aktiv zur Stabilität der Diktatur bei. Nach der Wende ging sie nahezu geräuschlos in der gesamtdeutschen CDU auf. Funktionäre blieben, Netzwerke ebenfalls. Eine echte Aufarbeitung? Fand kaum statt.

Die Politikwissenschaftlerin Sophie Triebel beschreibt, wie der Übergang etwa in Thüringen von der Blockpartei zur Volkspartei ohne Bruch verlief. Keine umfassende personelle Erneuerung, kein kritischer Blick auf die eigene Rolle im DDR-System – stattdessen: Weitermachen wie bisher.

Während die PDS (heute: Die Linke) sich öffentlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen musste, konnte sich die CDU als „sauber“ präsentieren – obwohl sie im Osten tief im System verankert war. Im letzten DDR-Parlament saßen sogar mehr Stasi-IMs in der CDU-Fraktion als bei der PDS.

Fakt ist: Wer heute über „SED-Erbe“ spricht, sollte nicht nur auf Die Linke zeigen. Die CDU hat über die Ost-CDU mehr Kontinuitäten des SED-Regimes übernommen als jede andere Partei – und das ganz ohne Mauer.

Das Mauerproblem der CDU

Ironie der Geschichte: Damals stand sie treu zur Todesmauer. Heute tut sie sich schwer mit der Brandmauer.

Wer reflexhaft „SED-Partei!“ ruft, wenn er das Wort Linke hört, sollte sich fragen: Welche Partei hat tatsächlich wie viel vom alten System mitgenommen – und wer hat sich ehrlich damit auseinandergesetzt?

Spoiler: Die Antwort ist nicht rot, sondern schwarz.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert