Nie wieder ist jetzt!
Der rechtsextreme Hintergrund des Täters von Mannheim, Alexander Scheuermann, gerät in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend unter den Radar – ein alarmierendes Beispiel dafür, wie effektiv rechte Netzwerke die Berichterstattung manipulieren. Scheuermann war Mitglied des rechtsextremen „Ring Bund“, einer Gruppe aus dem Reichsbürger-Spektrum, die von Neonazis geführt wird. Er stand in Verbindung zu Personen, die Waffenhandel betrieben und die AfD-nahe Organisation „Patriotische Alternative“ unterstützen wollten.
Während Fakten wie diese kaum Beachtung finden, überschwemmen rechte Akteur*innen die sozialen Medien gezielt mit Lügen. Dieses Prinzip, das Steve Bannon bekannt gemacht hat, funktioniert erschreckend gut: Lügen verbreiten sich schnell und emotional, während die Überprüfung von Fakten zeitaufwendig ist. Ganze Teile der Gesellschaft, denen die notwendige Medienkompetenz fehlt, werden so zum Teil des Problems.
Ein möglicher Ausweg könnte ein Echtzeit-Factchecking sein, das Lügen direkt entlarvt. Doch hier lauert die Gefahr: Sollten rechte Parteien die Kontrolle übernehmen, könnten sie diese Mechanismen als Zensurmittel missbrauchen. Auch Open-Source-Lösungen sind nicht sicher vor Manipulation, da kapitalstarke Akteur*innen eigene „unabhängige“ Factchecking-Portale schaffen könnten.
Eine Lösung wäre eine öffentlich finanzierte, radikal transparente Factchecking-Plattform, die nach klaren, demokratisch legitimierten Kriterien arbeitet. Die Kontrolle müsste durch eine unabhängige Ethikkommission erfolgen, ohne politischen oder wirtschaftlichen Einfluss. Auch ein dezentrales System könnte die Gefahr einer Übernahme durch rechte Kräfte reduzieren.
Doch auch das reicht nicht, solange große Teile der Bevölkerung anfällig für Desinformation bleiben. Medienkompetenzbildung muss daher fester Bestandteil der politischen Bildung werden, um zu verhindern, dass die rechtsextremen Hintergründe von Täter*innen wie in Mannheim weiter unsichtbar bleiben.