Toxische Politigkeit ist ein Neologismus, der von Sascha von Gerishem geprägt wurde. Toxische Politigkeit ist ein Grund für den Rechtsrutsch der Gesellschaft ist.
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Toxische Politigkeit

Ich definiere toxische Politigkeit als eine subtile, aber hochgefährliche Form politischer Kommunikation, die sich als höflich, neutral und dialogorientiert inszeniert, in Wahrheit aber bestehende Machtverhältnisse stabilisiert und den gesellschaftlichen Diskurs nach rechts verschiebt. Sie entsteht vor allem dort, wo die Mehrheitsgesellschaft unangenehmen Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen möchte, anstatt klare Positionen gegen Ungerechtigkeit zu beziehen.

Die größte Gefahr von toxischer Politigkeit geht von der Mehrheitsgesellschaft aus, weil sie mit ihrem Bedürfnis nach Harmonie und vermeintlicher Objektivität den politischen Diskurs verwaltet, anstatt ihn aktiv zu gestalten. Statt klare Grenzen gegen rechte Hetze und Diskriminierung zu ziehen, wird Betroffenen geraten, „sachlich zu bleiben“ und „die Gesellschaft nicht zu spalten“. Doch genau dadurch wird die Spaltung vertieft – nicht durch diejenigen, die sich wehren, sondern durch jene, die Missstände relativieren oder ihnen ausweichen.

Toxische Politigkeit tarnt sich als Sachlichkeit und duldet menschenfeindliche Positionen, solange sie „respektvoll“ formuliert werden. Sie setzt auf Dialog um jeden Preis – selbst mit jenen, die keine demokratischen Werte vertreten. Wer Missstände klar benennt, wird als „zu radikal“ abgestempelt, während diejenigen, die für Diskriminierung und Gewalt verantwortlich sind, Verständnis erfahren. Die Frage, wer bedroht und wer bedroht wird, wird verwischt – stattdessen heißt es „Extremismus gibt es auf beiden Seiten“ oder „Wir müssen Brücken bauen“, auch dorthin, wo längst der Abriss vorbereitet wird.

Ich sehe in toxischer Politigkeit einen der Hauptgründe dafür, warum rechte Narrative und autoritäre Ideen gesellschaftsfähig werden. Sie öffnet die Tür für Ideologien, die eine offene Gesellschaft ablehnen, indem sie Kritik an diesen Ideologien als unhöflich, spaltend oder übertrieben darstellt. Wer toxische Politigkeit nicht erkennt und benennt, ist Teil des Problems.

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Inhaltliche Auseinandersetzung mit toxischer Politigkeit durch Sascha von Gerishem.
Was ist toxische Politigkeit nach Sascha von Gerishem?

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